Anschreiben zur JHV - Verein zur Unterstuetzung der zahnmedizinischen Versorgung in Laendern der Dritten Welt e.V.

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Anschreiben zur JHV

2019 Jahresversammlung

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer des Vereins,


lm vergangenen Jahr 2018 ist die Arbeit des Vereins im Großen und Ganzen problemlos verlaufen.
Es hat für die Klinik auf den Seychellen nur eine, wenn auch sehr kurzfristige und unschöne Absage gegeben. Der Kollege Owe Reimers, der sich schon vor zwei Jahren fest für das 4. Quartal 2018 angemeldet hatte, schrieb mir am Abend der letzten Jahreshauptversammlung am Turn im 4. Quartal nicht machen könne. Und das nur knapp 6 Monate vor Abreise und ohne jegliche Begründung, so dass ich annehmen muss, er hat einfach keine Lust. Ich glaube solche Interessenten braucht der Verein nicht! Glücklicherweise haben wir im Verein Kollegen, die die Sache ernster nehmen und mehr Verantwortungsgefühl haben. Und so konnte ich den Turn kurzfristig mir unserem erprobten Kollegen André Steiner besetzen. Ich habe mich im Oktober 2018 hier in Hamburg mit Jeff Snijders aus Sambia getroffen. Er ist jetzt durchgehend in Mfuwe und wäre dankbar, wenn doch mal wieder jemand käme und ihn in seiner Praxis unterstützen würde. Wenn also jemand sich dafür interessiert, das schöne Land kennen zu lernen und neben der zahnärztlichen Tätigkeit auch die phantastische Tierwelt erleben möchte, so sollten wir doch einen neuen Versuch starten. Die Situation in Togo ist etwas problematisch. Auf der einen Seite läuft unsere Klinik gut, es waren einige altgediente Togo-Kollegen dort und zum ersten mal war Eckart Wiedemann mit, aber die Lage der Gesamtklinik ist nach wie vor unsicher. Die Evangelisch-Presbyterianische Kirche Togos, die der Träger des Krankenhauses von Agou Nyogbo ist, unterstützt entgegen eigenen Beteuerungen, dass es bald besser wird, das Krankenhaus kaum. Das hat zur Folge, dass die Angestellten seit längerer Zeit kein Gehalt mehr bekommen haben und der ärztliche Betrieb quasi ruht. Die Kirche spricht davon, das Krankenhaus privatisieren zu wollen. Wie das allerdings die finanzielle Situation verbessern soll, wo sich kaum einer die Behandlungskosten leisten kann, steht  in den Sternen. Bisher ist unsere Arbeit im Cabinet Dentaire davon noch recht unberührt und wir können im Moment nur abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Damit Ihr Euch ein ungefähres Bild der aktuellen Situation machen könnt, habe ich dem Rundbrief
einen Bericht von Elisabeth Pittet beigelegt. Elisabeth Pittet ist eine Schweizer Krankenschwester, eine gute Freundin von Heino und Dieter Bischofberger, die seit Jahren das Krankenhaus unterstützt und häufig hinfliegt und dort mitarbeitet. Absolut lesenswert. Vielen Dank für die Übersetzung des Berichts aus dem Französischen an Dieter und Heino!

Auch betreffs der Klinik auf den Seychellen gibt es wichtigen Dinge zu berichten. Wie schon seit
mindestens einem Jahr bekanntgegeben, soll wohl in Baie Lazare eine neue Zahnklinik errichtet werden. Es soll sich da um ein Gebäude mit Einrichtung handeln, das von Arabern (wohl aus Abu Dhabi) gesponsert wird. Mal hört man von konkreten Plänen, dann heißt es wieder, alles soll noch gar nicht klar sein, auch ob überhaupt, und die letzte Nachricht lautet, dass es auf der Prioritätenliste steht. Das Geld scheint möglicherweise schon gezahlt zu sein, so dass es bald ausgegeben sein muss, damit es nicht wieder futsch ist. Aber im Grunde weiß niemand so richtig Bescheid. Sicher scheint nur zu sein, dass die Araber keinen Zahnarzt stellen. Es besteht also durchaus auf längere Sicht die Möglichkeit, dass wir dann in dieser Klinik unsere Arbeit fortsetzen. Wie immer sollten wir in Ruhe abwarten, wie die Sache sich entwickelt. In der Zwischenzeit werden wir unsere Arbeit so wie bisher fortsetzen. Und auch unsere Einrichtung in Baie Lazare funktionsfähig halten. Da einige wichtige Reparaturen an den Einheiten dringend durchgeführt werden müssen, die der einheimische Techniker nicht machen kann, werden Ende März Ralf und Florian, der Dentaltecniker von Dental 2000, alles vor Ort in Ordnung bringen.

Dazu möchte ich doch noch ein Wort sagen. Auf der Insel sind zwar in letzter Zeit einige neue, von
anderen Ländern im Rahmen von Entwicklungshilfe geschenkten Einheiten installiert worden, aber ich meine, wir, unser Verein sollte sich jetzt nicht an irgendwelchen „Wettbewerben“ beteiligen. Es ist nämlich schon, auch aus unseren Kreisen, die Bemerkung gefallen, dass „andere Kliniken viel schöner, neuer und toller“ ausgestattet sind als unsere. Man muss berücksichtigen, dass diese Kliniken von Organisationen kommen, die unvergleichlich mehr Geld zur Hand haben als wir. Ich bin der Meinung, wie sollten unsere Klinik auf einem guten funktionsfähigen Level halten und uns nicht an anderen orientieren. Im Übrigen kommt es ja sowieso viel mehr auf die Kompetenz des Behandlers und die Qualität der Arbeit an und da liegen wir sowieso vorn. Auch schon im letzten Jahr angeschoben, Iiegen Verhandlungen über einen neuen Vertrag bzw. seine Unterzeichnung zwischen dem Verein und dem Gesundheitsministerium an. Ich habe dazu schon vor einem Jahr einen Entwurf von uns an die entsprechenden Stellen geschickt, der aber, wohl wegen „schwerer Arbeitsüberlastung“ bisher nicht bearbeitet worden ist. Um dem Ganzen Druck zu verleihen, hat Jost versucht, ordentlich Dampf zu machen und angekündigt, dass Uwe und Ich in unserer Funktion als Vereinsvorsitzende mit Ralf und Florian Ende März kommen werden und erwarten, dass der Vertrag zur Unterschrift fertig ist. Ich hoffe, dass wir das schaffen, denn mehr Druck kann man ja kaum machen.

Im Vorletzten Jahr ist ja eine ärztliche Eintrittsuntersuchung für alle im Gesundheitsdienst arbeitenden eingeführt worden. Wir wurden davon ziemlich überrascht und haben immer argumentiert, das wir ja keine Angestellten sind, sondern Ehrenamtliche. Trotzdem mussten wir uns dem beugen und konnten das ganze Procedere so abschwächen, dass es noch erträglich ist. Mittlerweile haben die Verantwortlichen wohl selbst herausgefunden, dass unsere Argumentation die richtige war mit dem Ergebnis, dass die Pflicht zur Untersuchung für uns (vorerst??) nicht besteht! Da man nie wissen kann, was wem demnächst einfällt, habe ich die entsprechenden Anweisungen im Merkheft belassen.

Ich möchte hier im Rundschreiben doch noch auf ein Problem eingehen, das sich anscheinend in letzter Zeit vermehrt zeigt. Es ist dies das Verhalten einzelner Kollegen, die auf den Seychellen ihren Dienst versehen und ihre Einstellung zu den Patienten und zur Arbeit.

Es hat vor Kurzem einen vom Zahnarzt selbst verschuldeten Blechschaden am Vereinsauto gegeben. Wie damit umzugehen ist, ist eindeutig im Merkheft (Punkt 7,b) geregelt. Eigentlich sollte es dann auch selbstverständlich sein, dass der Verantwortliche selbst für die Schadensbehebung zu sorgen hat. Wenn das zeitlich nicht möglich ist, dann muss er die Sache mit dem Nachfolger verbindlich zeitlich und finanziell regeln. Es geht nicht, wenn man den Schaden einfach so lässt, weil man ihn vielleicht für einen zu vernachlässigenden Bagatellschaden hält oder die Beseitigung und Bezahlung des Schadens immer weiter an den Nachfolger weiterreicht, bis niemand mehr weiß, wer eigentlich verantwortlich ist und wer wieviel bezahlen muss, wie es jetzt geschehen ist. Solche Sachen machen uns hier im Verein viel Arbeit und letztendlich wollen wir den Wagen ja auch irgendwann verkaufen.

Marie-Antionette ist, wie wir alle wissen, eine Perle und hat sehr feine Antennen für die Stimmung unter den Patienten. Von Ihrer Seite, aber nicht nur von Ihrer Seite, gab es Berichte, dass  bestimmte Kollegen sich gegenüber Patienten eines sehr harschen Tones bedienten! Auch hat sie mitunter Bekannten geraten, sich von jemand anderem behandeln zu lassen. Es soll sogar zeitweise eine Liste geben, wer wann kommen wird und der Patient kann so einen besonders unbeliebten Zahnarzt vermeiden.

Wie schon früher, ist häufiger bemängelt worden, dass der Vorgänger zu viele Wurzelbehandlungen, auch an insuffizienten Zähnen, angefangen hat und nicht zu Ende geführt hat. Der nachfolgende Kollege musste das dann ausbaden. Also lieber mal einen Zahn rechtzeitig ziehen, der in der Erhaltung fraglich ist oder der später nur prothetisch zu versorgen ist.

Jost hat an den Vorstand im Dezember Weihnachtsgrüße geschickt, und in der Email ein Problem geschildert, dem ihm unter den Nägeln brennt, sein er im Yellow Roof sitzt. Er beschreibt sehr  einfühlsam und doch klar und deutlich, was er über bestimmte deutsche Kollegen hört und was er erlebt. Ich finde, diese Ausführungen sind so wichtig für den ganzen Verein, dass ich die Email von Jost mit dem Rundschreiben verschicken musste. Es werden keine Namen genannt, aber ich bin sicher, an Hand der Schilderungen wird sich derjenige Kollege selbst erkennen, der gemeint ist. Ich erwarte, dass die Verantwortlichen ernsthaft in sich gehen und Ihre Einstellung und ihr Verhalten überdenken und ändern. Und ich hoffe, dass alle, die sich nicht angesprochen fühlen, sich so verhalten, dass sie sich und den Verein bei einem Arbeitseinsatz gar nicht erst in solche Situationen bringen. Auf jeden Fall hatte ich so etwas nicht erwartet und glaube wie Jost, dass solch ein Verhalten auf Dauer dem Verein und seiner Reputation empfindlichen Schaden zufügt.

Alle, die ihn gekannt haben, und das sind wohl alle, die einmal auf den Seychellen Dienst gemacht
haben, wissen, dass Joe Desnousse, der Zahntechniker, ein sehr sympathischer, hilfsbereiter und großartiger Mensch war. Er ist im vergangenen Jahr gestorben. lm Rundschreiben liegt ein Nachruf auf ihn von Harald Pothin bei.

Unser diesjähriges Sommerfest wird wieder in Potsdam stattfinden, und zwar am Wochenende 31.8. - 1.9.2019. Diesmal mit Besichtigung von Sanssouci. Alle genaueren Informationen folgen.

Wie immer an dieser Stelle erinnere ich zum Abschluss an die ausstehenden Mitgliedsbeiträge:
Jahresmitgliedsbeitrag für
niedergelassene Zahnärzte : 256,- Euro (Empfehlung)
angestellte Zahnärzte : 128,- Euro (Empfehlung)
Nichtzahnärzte 62,- Euro (festgelegter Mindestbeitrag, auch für in Not
geratene Zahnärzte)

I
ch möchte auch alle Kollegen, die Altgold für den Verein gesammelt haben, bitten, es zur Jahres-hauptversammlung mitzubringen oder, falls sie nicht kommen können, es mir zu schicken.

Das soll es für heute erstmal gewesen sein, ich freue mich, Euch zahlreich bei der Jahres-hauptversammlung zu sehen. Bis dann

01.03.2019


                                                                              
gez: Dr. Stephan Krause


 
 
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